Scheidung online

Ablauf der Scheidung

Wie wird ein Scheidungsverfahren eingeleitet?

Beim dem für die Scheidung örtlich zuständigen Familiengericht muss ein schriftlicher Antrag auf Durchführung des Ehescheidungsverfahrens eingeleitet werden. Der Scheidungsantrag kann nur von einem Rechtsanwalt/einer Rechtsanwältin eingereicht werden. Scheidungsanträge, die Sie selbst einreichen, sind ungültig.

Brauchen beide Eheleute einen Rechtsanwalt/eine Rechtsanwältin?

Nur der/die Antragsteller/in muss sich im Scheidungsverfahren durch einen Rechtsanwalt/eine Rechtsanwältin anwaltlich vertreten lassen. Der andere Ehegatte kann vor dem Familiengericht allein auftreten und braucht keinen Anwalt zu beauftragen, wenn er oder sie dies nicht will.

Wann ist der Gerichtskostenvorschuss zu zahlen und wann muss Prozesskostenhilfe beantragt werden?

Zusammen mit dem Scheidungsantrag muss beim Familiengericht entweder ein Gerichtskostenvorschuss eingezahlt oder ein Antrag auf Prozesskosten- bzw. Verfahrenskostenhilfe gestellt werden. Falls Prozesskostenhilfe beantragt wird, prüft das Gericht in der Regel vor Zustellung des Scheidungsantrags an die Gegenseite, ob die wirtschaftlichen Vorraussetzungen für die Gewährung von Prozesskostenhilfe vorliegen. Falls die Vorraussetzungen nicht vorliegen, ist ein Gerichtskostenvorschuss bei Gericht einzuzahlen, bevor das Scheidungsverfahren vom Familiengericht fortgesetzt wird.

Der/die Antragsgegner/in kann im Verlauf des Scheidungsverfahrens, spätestens jedoch in der letzten mündlichen Verhandlung, Prozesskostenhilfe beantragen.

Was wird nach Einleitung des Scheidungsverfahrens vom Familiengericht veranlasst?

Das Familiengericht stellt zuerst den Scheidungsantrag dem anderen Ehepartner zu. Dieser Tag der Zustellung des Scheidungsantrags markiert das Ende der Ehezeit und ist der Stichtag für die Bewertung des Endvermögens, wenn es um Fragen des Zugewinnausgleichs geht.

Bei Beginn des Scheidungsverfahrens übersendet das Familiengericht beiden Seiten die Fragbögen zum Versorgungsausgleich und setzt zur Rücksendung der Fragebögen an das Gericht meist eine Frist von drei bis vier Wochen.

Was geschieht beim Versorgungsausgleich?

Der Versorgungsausgleich wird zusammen mit der Ehescheidung durchgeführt. Sämtliche Rentenanwartschaften, die die Eheleute während der Ehezeit erworben haben, werden bei der Scheidung jeweils hälftig geteilt. Um zu ermitteln, bei welchen privaten oder öffentlich-rechtlichen Rentenversicherungsträgern die Eheleute Anwartschaften erworben haben, übersendet das Familiengericht die Fragebögen zum Versorgungsausgleich an die Beteiligten. Das Familiengericht holt dann – ausgehend von den Angaben der Beteiligten im Fragebogen – bei den angegebenen Rentenversicherungsträgern die Auskünfte ein, wie hoch die während der Ehezeit erworbenen Anwartschaften sind.

Wie lange dauert ein Scheidungsverfahren?

Die Dauer des Scheidungsverfahrens wird maßgeblich vom Versorgungsausgleich bestimmt: Erst wenn von allen Rentenversicherungsträgern, bei denen die Eheleute Anwartschaften erworben haben, die Auskünfte über die Ehezeitanteile der Versorgungen vorliegen, wird das Gericht einen Termin zur mündlichen Verhandlung im Scheidungsverfahren bestimmen. In der Regel dauert es mehrere Monate, bis dem Gericht sämtliche Auskünfte der Rentenversicherungsträger vorliegen. Die Dauer des Scheidungsverfahrens wird auch davon beeinflusst, wie schnell die Beteiligten Rückfragen etwa der Deutschen Rentenversicherung beantworten: Die öffentlich-rechtlichen Versorgungsträger nutzen den Versorgungsausgleich bei der Scheidung zur Kontenklärung der Versicherten und erteilen die Auskunft zum Ehezeitanteil erst dann, wenn auch etwaige Lücken im Versicherungsverlauf aus der Zeit vor der Eheschließung geschlossen wurden.

Welche Möglichkeiten gibt es, die Scheidung zu beschleunigen?

Wichtig ist, allen Aufforderungen des Familiengerichts, Unterlagen vorzulegen oder Auskünfte zu erteilen, zügig nachzukommen und sämtliche Rückfragen der Deutschen Rentenversicherung etc. so schnell wie möglich zu beantworten.

Trotzdem kann es zur Verzögerung der Scheidung kommen, vor allem dann, wenn ausländische Versorgungsträger am Versorgungsausgleichsverfahren beteiligt sind, weil die Beteiligten eine Zeitlang im Ausland gearbeitet und dort Rentenanwartschaften erworben haben. In einem solchen Fall der Verzögerung der Scheidung kann beantragt werden, dass das Gericht den Versorgungsausgleich von der Ehescheidung abtrennt und die Scheidung zuerst ausspricht. Der Versorgungsausgleich wird dann in der Regel im schriftlichen Verfahren fortgesetzt und das Familiegericht erlässt den Beschluss zum Versorgungsausgleich erst später, wenn auch dieser Verfahrensteil entscheidungsreif ist.

Wie läuft die mündliche Verhandlung ab?

In jedem Scheidungsverfahren hört das Familiengericht die beiden Eheleute persönlich an. Die Beteiligten werden befragt, seit wann sie getrennt leben und ob für sie die Wiederherstellung der ehelichen Lebensgemeinschaft in Betracht kommt.

Ferner wird im Gerichtstermin der Versorgungsausgleich erörtert. Schließlich werden die Beteiligten dazu befragt, wie hoch ihre Nettoeinkünfte zum Zeitpunkt des Beginns des Scheidungsverfahrens gewesen sind, denn ausgehend vom zusammengerechneten Nettoeinkommen der Beteiligten setzt das Familiengericht nach gesetzlichen Vorgaben die Gegenstandswerte für die Scheidung und für den Versorgungsausgleich fest. Die Gegenstandswerte sind die Größe, aus der sich wiederum nach gesetzlichen Vorgaben die Rechtsanwaltsgebühren und die Gerichtskosten berechnen.

Wer trägt die Kosten ?

Bei der Scheidung beschließt das Familiengericht, dass die Kosten „gegeneinander aufgehoben“ werden. „Kostenaufhebung“ bedeutet, dass jeder Ehegatte seine Anwaltskosten selbst trägt, und dass die Gerichtskosten hälftig geteilt werden. Wenn nur eine Seite anwaltlich vertreten ist, muss derjenige Ehepartner, der einen Anwalt beauftrag hat, die Anwaltskosten an seinen Anwalt bezahlen; die Gerichtskosten trägt jede Seite zur Hälfte. Natürlich können die geschiedenen Eheleute eine Vereinbarung treffen, dass sie sich auch die Anwaltskosten des/r Antragstellers/in hälftig teilen, wenn nur von einer Seite ein Anwalt beauftragt wurde. Falls beide Seiten anwaltlich vertreten waren, entstehen auf beiden Seiten Anwaltskosten in gleicher Höhe.


Kostenlose Webseite von Beepworld
 
Verantwortlich für den Inhalt dieser Seite ist ausschließlich der
Autor dieser Homepage, kontaktierbar über dieses Formular!